Eine klare Transzendenzerfahrung und Kosmisches Bewusstsein

Also, nun saß ich im Programm - so nennen wir die Kombination von Transzendentaler Mediation und der Fortgeschrittenentechnik "TM-Sidhis" - und erfuhr abrupt einen Ebenenwechsel. Wenn ich diesen Zustand jetzt beschreibe so bin ich mir sehr darüber bewusst, dass es fast unmöglich ist ihn wirklich treffend zu beschreiben, da er an sich etwas Neues ist und ich mir nur Hilfsanleihen mit irgendwelchen Eigenschaftswörtern kreieren kann, die ihn „halbwegs“ beschreiben. 

 

Ich war plötzlich „reine Energie“. Kein Körper, kein Objekt, kein Gedanke, keinerlei Wahrnehmung aber ein sehr, sehr intensives „Selbst“, also eine reine „Ich bin da“-Erfahrung. Das Beeindruckende an dieser Erfahrung war die hohe „Energie“ und die „absolute Freiheit“! Keine Grenzen mehr! Ein wunderbarer Zustand, in dem man einfach vollkommen erfüllt ist: Man fühlt sich als die Fülle selbst. In diesem reinen „Ich bin – Zentrum“ war ich mir auch keiner Individualität bewusst: Es war da wirklich keinerlei Erinnerung an meine Person. Genauer gesagt waren alle Begrifflichkeiten jenseits von mir. Ich war einfach nur ein SEIN.

Dann bewegte ich meine Aufmerksamkeit ein kleines bisschen heraus aus diesem Sein. Nun hatte ich auch wieder Bewusstsein über mein Person, erinnerte mich dass da diese Individualität war die meditierend im Schneidersitz saß. Es war ein Wissen jenoch ohne jede Körpererfahrung. Dieser Grenzbereich zwischen dem „Ich bin“ zu den beginnenden relativen Aspekten meiner Persönlichkeit und dem wieder einsetzenden Denken war ein vollkommen erfüllende Spielwiese des Geistes: Einerseits war er sich noch seiner Unbegrenztheit bewusst, anderseits war er aber auch dabei, mit den Gedanken und Wahrnehmungen auf eine vollkommen leichte Art zu spielen. Das besondere an diesem Zustand war, dass der Geist in Freiheit verblieb, während er gleichzeitig in einer vollkommenen Leichtigkeit denken und kreieren konnte. Ich verblieb eine ganze Weile in diesem Zustand...Zeit kann ich im Nachhinein überhaupt nicht bemessen...

 

Als ich mein Meditationsprogramm beendete, erinnerte ich mich wage: Da war eine wirklich schöne Erfahrung gewesen. Ich lenkte meine Aufmerksamkeit auf diese zarte Erinnerung und schaute mir sie noch einmal an. Auf diese Weise wurde sie in mein Wachbewusstsein transportiert. Man mag sich das nicht vorstellen können: Um ein Haar hätte ich diese Erfahrung vergessen! Wie ist so etwas möglich? Ich interpretiere es so: Diese Erfahrung wurde in einer anderen Bewusstseinsebene gemacht, welche in unserem gegenwärtigen Wachbewusstseinszustand  keine direkte Verbindung hat. Es ist daher möglich, im Meditationsprogramm tiefe und spektakuläre Erfahrungen zu machen und sie dann.. einfach zu vergessen! Als ich einem Freund und langjährigem TM-Sidha diese Erfahrung erzählte, bemerkte er: „Ja, viele TM-Sidhas hören mit dem Programm auf und haben ihre guten Erfahrungen einfach vergessen, weil sie immer mehr in das Relative ( normale Wachbewusstsein ) gekommen sind!“

 

Im Nachhinein analysiert war der Zustand eher eine kurze Erfahrung von „Kosmischem Bewusstsein“ nach der Definition von Maharishi Mahesh Yogi, da ich einerseits „Reines Bewusstsein“ war und anderseits auch gleichzeitig denken und wahrnehmen konnte. Wenn ich mir diesen  Zustand  im Rückblick so anschaue, so kann ich sagen, er ist ein vollkommen erfüllender Zustand, man braucht nichts mehr: Totale Fülle, totale Freiheit! Wäre ich 24 Stunden am Tag in diesem Zustand und würde nichts von noch höheren Bewusstseinszuständen wissen, so würde ich wahrscheinlich auch die Aspekte der Freiheit betonen und jede Bindung an ein System oder Guru als hinderlich ansehen, was typisch für Menschen im Kosmischen Bewusstsein ist!

Obwohl dieser Zustand des „Kosmischen Bewusstseins“ so perfekt zu sein scheint, so grenzenlos erfüllend, so „hochenergetisch“ und auch wirklich „vollkommene Freiheit“ ist, so enthält er doch keinerlei Liebe und keinerlei Glückseligkeit. Das wirkt vielleicht überraschend, aber genau so ist es! Erfüllend in ihm ist die grenzenlose Freiheit und diese totale „hochenergetische Präsenz“ des eigenen „Ich Bin“.

 

Wie war das mit Maharishis Aussagen zum Transzendieren? Er tat immer so, als wenn man nur in die TM eingewiesen werden müsste und schon geht es los mit dem Transzendieren. Das hielt ich immer für einen Marketingtrick! Wenn ich jetzt allerdings betrachte, wie intensive Erfahrungen auf feineren oder anderen Bewusstseinsebenen einfach nicht wie andere Erfahrungen in das Wachbewusstsein übertragen werden und „vergessen“ werden können, so kann ich nicht mehr ausschließen, dass TM-Meditierende mehr transzendieren als sie selber wissen...

Ich erinnere mich noch an 1974 in der französischen Schweiz: TM boomte gerade und viele TM-Lehrer kamen auf die Fortgeschrittenenkurse in der Schweiz. Es gab in einem Hotel in 2000m Höhe eine Deutsche Gruppe von ca. 100 Deutschen TM-Lehrern die dort ihren Vertiefungskurs machten und von Maharishi die sogenannte „Age of Enlightment-Technik“ bekamen. Nun musste jeder zu Beginn einen Bogen ausfüllen wo man ankreuzen konnte..

Ich transzendiere

( ) in jeder Meditation ( ) des öfteren ( ) nie

Das war natürlich eine Herausforderung für uns, denn was war dieses Transzendieren eigentlich? Wir TML's wussten es auch nicht und so kreuzte jeder nach seinem persönlichen Gefühl an. Ich kreuzte „nie“ an, was ich für eine wahre Aussage hielt! Maharishi kommentierte unsere Selbsteinschätzungen danach so, dass die welche glaubten immer zu transzendieren wohl etwas zu optimistisch sind und die, welche glaubten nie zu transzendieren, etwas zu pessimistisch sind.

 

 

Nochmal zurück zu dieser kurzen Erfahrung von „Kosmischem Bewusstsein“. Einige entscheidende Dinge sind mir dadurch klar geworden: Der Sprung ins Kosmische Bewusstsein ist ein entweder oder: Es gibt kein halbes Kosmisches Bewusstsein und kein 99%iges Kosmisches Bewusstsein. Du gehst in eine andere Bewusstseinsebene, ähnlich wie beim Aufwachen morgens wechselst Du die Etage im Haus: Du fährst mit dem Lift von der Etage „Traumbewusstsein“ in die Etage „Wachbewusstsein“ und Dir ist der Wechsel der Bewusstseinsebene vollkommen klar. So ist es auch, wenn Du in den Fahrstuhl steigst und vom „Wachbewusstsein“ zum „Kosmischen Bewusstsein“ hochfährst: Du bist eindeutig in eine ANDERE BEWUSSTSEINSEBNE gewechselt. Die Freiheit im Kosmischen Bewusstsein ist VOLLKOMMEN! Das Abgetrenntsein von allem Relativen ( Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühlen, .. ) ist in diesem Zustand VOLLKOMMEN! Die Erfüllung in diesem Zustand ist VOLLKOMMEN! Sobald Du aus dem Fahrstuhl in der Ebene Kosmisches Bewusstsein aussteigst, hast Du eine Art AHA-Effekt. Würdest Du mit Dir selbst sprechen, so würdest Du sagen: DAS IST ES WAS ICH IMMER WOLLTE! HIER BIN ICH ZUHAUSE! Du bist restlos angekommen!

 

Nun verstehe ich auch, warum Maharishi so viel Wert auf das „Vorentwickeln“ von Bewusstseinszuständen oberhalb des Kosmischen Bewusstseins in Form von z. B. Fortgeschrittenentechniken und Sidhis gelegt hat: Die Gefahr im Kosmischen Bewusstsein „hängen zu bleiben“ ist mehr als groß! Daher sollte die Tür zu den noch höheren Bewusstseinszuständen schon einen Spalt geöffnet sein, wenn man das Kosmische Bewusstsein erlangt, denn sobald man „Glückseligkeit“ oder „Allumfassende Liebe“ erfahren hat, weiß man, dass da noch höhere Etagen im Haus sind und strebt danach diese zu erreichen.

Autor: Klaus Tübel