Einheitsbewusstsein

Nach der vollen Entwicklung des Selbst im kosmischen Bewusstsein (5. Zustand) und der vollen Entwicklung der Wahrnehmungskraft im Gottesbewusstsein (6. Zustand) haben wir hier die höchste Erkenntnis der Einheit zwischen uns und jedem Objekt der Wahrnehmung. Dies ist der Zustand höchsten Wissens und die Erfüllung aller menschlichen Bestrebungen.

 

Heinz: Bezüglich des Kriteriums für Einheitsbewusstsein hatte ich eine lebhafte Diskussion mit Claus. Auf das Argument, dass yogisches Schweben, d.h. yogisches Fliegen mit eindeutiger Levitation, eine Grundeigenschaft von stabilem Einheitsbewusstsein sei, kam ich zur Einsicht, dass yogisches Schweben vielmehr eine zusätzliche Körpereigenschaft ist, die dem Menschen im Einheitsbewusstsein offen steht. Er kann sie, muss sie aber nicht nutzen. Er kann vielmehr sogar in der Einheit gegründet sein, ohne irgendwelche Sidhis auszuüben. Dies sagen ähnlich auch die Brahma Sutras mit Shankaras Kommentaren und auch das Yoga Vasishta von unserem Altmeister Vasishta aus der Heiligen Tradition. Sidhis sind also Verherrlichungen der Einheit, aber nicht eine notwendige Voraussetzung. Es gibt auch eine ganze Reihe von Sidhis, die in den Yogasutras erst nach dem Flugsutra kommen. Ich habe die Yogasutras von Patanjali und die Kommentare von Shankara genau studiert (zum Teil bis auf die Sanskrit Silbenebene) und habe keine besondere Aussage entdeckt, dass ab dem Flugsutra eine neue, objektiv messbare Bewusstseinsebene von Einheit entstünde. Es ist vielmehr ein kontinuierlicher Entwicklungsvorgang: "Threads of Unity." Wie sollte sich auch reine Subjektivität durch objektive Maßstäbe klassifizieren lassen? Der Intellekt hat hier sein Ende erreicht. In der Einheit nimmt er dann eine völlig neue Funktionsweise an.

Auch nimmt die Einheit immer mehr zu, und es entsteht keine neue Dualität, so wie etwa irgendeine glasklare Unterscheidung zwischen Menschen in Einheitsbewusstsein und Menschen ohne Einheitsbewusstsein. Es ist vielmehr so, dass die Einheit in allen anderen Menschen gesehen wird. Es ist dann ein fast unlösbares Rätsel, warum sich andere Menschen nicht in der Einheit befinden. Immerhin ist das der einfachste Bewusstseinszustand! Hier haben wir eine offene Tür für mehr Einheitsbewusstsein anstelle der verschlossenen Tür, durch die fast niemand hindurchschweben dürfte. Dann wäre dem Zweck der Inspiration und Ermutigung mit Erfahrungsbeschreibungen höherer Bewusstseinszustände auch wirklich gedient.

Bei mir funktionieren alle Sidhis jedes Mal wenn ich sie ausübe. Jedes einzelne. Immer. Sofort. Auch während der normalen Tagesaktivität kommen spontane Sidhi-Erfahrungen. Ganz schön! Sei es ein Vogel oder ein Hund, den ich spontan sprechen höre und verstehe, oder die Erfahrung von Sternen und Planeten, die Sicht von Vergangenheit und Zukunft, oder die Sicht in den Körper oder das Herausfinden beliebigen Wissens durch das innere Licht. Das sind für mich jetzt ganz alltägliche Sidhi-Erfahrungen geworden, die ich inzwischen in allen möglichen Varianten erfahren habe. Sie haben mein Leben und meine Sicht auf die Welt völlig umgestaltet. Und das Fliegen werden wir auch noch in den Griff bekommen! Vielleicht hängt es nur vom Weltbewusstsein ab, vielleicht gibt es aber auch einen Weg zum Schweben, ohne das Weltbewusstsein zu beachten. Es hat doch zu allen Zeiten echte, schwebende Flieger gegeben (siehe Anhang 3), selbst zu solchen Zeiten, als das Weltbewusstsein noch schlechter war als heute. Also muss es da irgendwie auch einen Weg für uns geben. Ich weiß schon, dass Maharishi die Blockade des Schwebens auf das Weltbewusstsein geschoben hat. Er war immer so nett zu uns! Jai Guru Dev.

Ernst-Peter: Meine eigentliche Wahrnehmung geht heute mehr intuitiv. Ich fühle sehr genau, was die Umgebung mir sagen will oder was die Leute denken. Ich habe das Gefühl, dass sich da einiges in mir getan hat. Meine Liebe wird langsam mehr und mehr zu allem, was in meinem Leben auftaucht. Es gibt immer weniger Trennungen. Meine Liebe bezieht sich nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Tiere, Pflanzen und die Natur. Autos, Computer, Fahrräder etc. sind für mich keine reinen Gebrauchsgegenstände mehr, sondern lebendige Wesen, die mir etwas Gutes tun, und dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Ich bedanke mich immer mehr bei Gegenständen, die mir einen Dienst erweisen. – Neuerdings füttere ich die Spatzen auf meiner Terrasse. Ich fühle eine tiefe Verbundenheit und Freundschaft zu den Spatzen. Ich bin sicher, dass sie bald jegliche Angst vor mir verloren haben und sie mir aus der Hand fressen werden. Kleine Dinge in meinem Leben finden jetzt mehr und mehr Bedeutung. Ich mache keine Unterscheidung mehr zwischen großen und kleinen Dingen. Alles was in mein Leben kommt, hat seinen Wert und bekommt seine Aufmerksamkeit. Auf meinem Balkon baue ich Kräuter und Tomaten an. Ich fühle eine innere Verbundenheit und Liebe zu den Pflanzen. Irgendwie kommunizieren wir miteinander. Es geschieht alles spontan, weil es aus Liebe geschieht. Wenn die Liebe da ist, dann brauche ich mir keine Sorgen mehr machen. Es ist egal was ich tue, alles ist dann richtig und stimmig für mich und meine Umgebung. Ich spüre keine große Abgrenzung von all den wahrgenommenen Objekten, aber dennoch können die Objekte nicht diese immerwährende innere Wachheit und Stille überschatten. Es passiert manchmal auch, dass eine gewisse Verschmelzung mit dem Wahrgenommenen stattfindet, aber auch dann erfahre ich die allgegenwärtige Stille in dem Wahrgenommenen, und diese Stille, das bin ich. Ich spüre und fühle immer mehr meine innere Stille auch in den wahrgenommenen Personen, Tieren, Pflanzen und Objekten. Gerade jetzt, wo ich diese Zeilen hier schreibe, wird mir bewusst, dass das sicherlich ein Wachstum zur Einheit ist. Vom Verstehen her ist mir klar, dass wir alle "Eins" sind, aber die tatsächliche Erfahrung von mehr Einheit scheint sich jetzt langsam in mir zu entwickeln.

Claus: Vedanta mit den Brahma Sutras, und Advaita, die 'Lehre der Nicht-Zweiheit' zeigen uns die allem zugrunde liegende Einheit, die letzte Realität der Welt, wodurch es für mich stark erheiternd wirkt, wenn ich mich plötzlich inspiriert fühle, über den Unterschied zwischen verschiedenen Bewusstseinszuständen zu schreiben, über die Struktur von Zeit und Raum, über Menschen, Engel und Devas, wo doch die unendliche Harmonie der ewigen Einheit das stille, glückselige Band ist, was alles zusammenhält, alles durchdringt und als einziges wahre Substanz hat. – Meine ersten Anflüge von Einheit bekam ich, als ich merkte, dass ich keinen Unterschied mehr sehe zwischen großen Dingen und kleinen Dingen, zwischen dem Wichtigen und den Dingen am Rande, zwischen meiner Welt und der Welt meines Gegenübers. Nur der wache Augenblick ist geblieben, die ewige Stille der unveränderlichen Ganzheit, und die untrügliche Sicherheit zu erkennen, was das Naturgesetz in diesem Moment durch mich gestalten möchte, um den Lauf der Jugas aufrechtzuerhalten, das ewige Werden und Vergehen im Äußeren, während tatsächlich nur das Eine ist, die sanfte Stille ewiger Ganzheit; zwar nicht immer, aber immer öfter.